Vor gut 20 Jahren war die Welt der Elektronikeinzelhändler noch in Ordnung, diese gab es mehr oder minder zahlreich, in jeder Stadt einige Dutzende, die sich selten allzu große Konkurrenz machten, auch das Angebot an Produkten und Marken war durchaus überschaubar. Ein bisschen Philips, ein wenig Grundig oder Loewe. Ein Dutzend Fernsehgeräte, eine Handvoll Radios und Stereoanlagen. Die Preise waren hoch, lediglich mit dem Service konnten die Händler punkten. Bis Media Markt kam, der unterbot die Preise massiv, setzte auf Vielfalt und auf Kunden die wissen was sie wollten. Heute sieht sich Media Markt in einer ähnlichen Rolle. Zwar Marktführer, diese Position erobert durch penetrante Werbung, die lediglich den vermeintlich günstigen Preis in den Vordergrund rückte und dem falschen Image der günstigste Anbieter zu sein. Nun hat Media Markt das erste mal einen operativen Verlust hinnehmen müssen, Umsatzrückgänge, Preissenkungen, der Rückzug aus dem Frankreichgeschäft beförderten den aktuellen Negativtrend. Grund war natürlich die zunehmende Lust der Kunden ihre Einkäufe im Netz zu tätigen.
Seit diesem Montag hat der größte Elektronikhändler Europas nun endlich auch einen online shop. Dieser sollte eigentlich schon vor Jahren starten, doch interne Streitereien bezüglich der strategischen Ausrichtung behinderten fast jegliches Engagement. Lediglich der Kauf von Redcoon letztes Jahr sorgte für eine Online-Shop-Präsenz. Media Markt, zusammen mit Saturn hat ca. 45.000 Artikel im Bestand, so könnte der potentielle Käufer auf ein ähnlich umfangreiches Sortiment wie bei Amazon hoffen.
Für einen Konzern mit einem Umsatz von 15 Milliarden Euro ist der Shop ein schlechter Witz.
Der Shop ist schlicht ein Menupunkt in der althergebrachten Webseite, die nun mit einer zusätzlichen Seitenleiste aufwartet, die sich in 9 Kategorien, von Computer über Handy bis Körperpflege aufsplittet. Insgesamt sind, grob überschlagen, ganze 2300 Artikel gelistet! Nochmals: der größte Elektronikhändler bietet gerade einmal eine kleine vierstellige Anzahl von Produkten zur Verfügung. Ein paar Beispiele die sich im Sortiment finden lassen: 2 Fotodrucker, 7 Tintenstrahldrucker, 6 Blu Ray-Player, 26 Smartphones, 9 Dampfbügeleisen. Die Mühe diese nun mit Amazon zu vergleichen mache ich mir erst gar nicht. Selbst kleinere Shops wie Cyberport, Mindfactory oder Alternate bieten ein vielfaches Mehr an Produktauswahl. Dass Media Markt eine vernünftige Suchfunktion erst gar nicht installierte verwundert nicht, wozu auch?
Aber vielleicht können die Preise ja überzeugen. Kurz gesagt: Nicht im geringsten. Von schnell 10 ausgesuchten Artikeln war keiner der billigste am Markt (alles über Geizhals), im Vergleich zu bekannten und gut bewerteten Shop, lagen die Preise ca. 10 Prozent höher. Dazu kommen bei Media Markt auch noch Versandkosten von mindestens 4,99 Euro, Großgeräte schlagen mit zusätzlichen 34,90 Euro zu Buche. Konkurrenzfähig ist das nicht. Der Verweis auf eine Abholung im nahegelegenen Media Markt zeugt von einer Haltung, die das Internet nicht verstanden hat. Wenn ich im Netz etwas bestelle, erwarte ich eine Lieferung, nicht nur bis zu Bordsteinkante, eventuell auch noch einen Anschluss und will es eben nicht einem stationären Geschäft abholen, schon gar nicht zu einem höheren Preis. Die online-Strategie, so sich denn eine als existent erweist ist vorerst gescheitert.
Zu wenige Produkte zu hohen Preisen. Das mag für den offline-Käufer funktionieren, aber nicht für den informierten online-Kunden.